Rezension zur CD HAUTNAH von Akustik Gitarre 6/11

 

Gitarren-Fans hören das vielleicht nicht gerne. Aber ein bass hat nicht nur in Begleitfunktion einen überlegenen warmen Sound: Könner zupfen auf einem bundierten Sechssaiter sogar ganze Akkorde oder frönen solch poyphonen Fingerstyle, dass dem Zuhörer nichts fehlt und Gitarrenklänge im direkten Vergleich eher dünn bis spitz wirken. Ralf Gauck komponiert, arrangiert und spielt Stücke von vornherein nur für sich und seinen Bass. Bei ihm ist es sogar ein bundloser, der Titeln wie Bachs Bourrée eine ganz andere, donore Färbung und einen dezenten Swing verleiht. Überhaupt prägt feiner Groove - an einer Stelle ist es ein ansteckend fröhlicher Calypso - Gaucks zumeist ruhige Musik voll wunderbar subtiler Differenzierung und Dynamik: die tiefe Stimme ( von Bass kann man hier wohl nicht reden ) liegt naturgemäß in den unteren Registern und wird eher trocken gespielt; die Meldodie dagegen wird mit Vibrato und Bends hervorgehoben. Melodiöses haben heute spätestens seit Jaco Pastorius drauf, Perkussives ist ihnen seit dem Funk nicht mehr fremd. Und wenn all dies zusammenkommt und außerdem ein großer Klang- und Farbenmaler wie Ralf Gauck am Werk ist, erzeugt ein solches Bass-Solo-Album-Projekt Begeisterung und lädt zu dem sinnlichen Vergnügen ein, in der Sparsamkeit der Arrangements die Schönheit jedes einzelnen Tons zu entdecken. Die vielleicht einzige Schwäche dieses bezaubernden Albums besteht in seiner Kürze; man schreckt förmlich auf wie aus einem Traum von einer heiter-besinnlichen Flusspartie - und bedauert zutiefst, dass sie schon vorüber ist.

Michael Lohr

Daybreak von Ralf Gauck & Sándor Szabó

Ralf Gauck bei

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